Schon beim Eintreten in den Ausstellungsraum der Petrikapelle zieht die große glänzende Figur die Blicke auf sich. Nahezu auf Augenhöhe erblicken wir das Abbild eines gütig dreinblickenden, älteren Mannes mit gelocktem Haar und dichtem Bart. Er trägt einen prächtig besetzten Umhang um die Schultern, der seinen Oberkörper nahezu vollständig verhüllt. Die darunter hervorscheinenden Hände halten links ein Schwert, dessen Spitze ein Buch durchbohrt, und rechts einen prunkvollen Stab. Unterhalb der Körpermitte ist die Figur auf einem hölzernen schwarzen Sockel befestigt, der ebenfalls kunstvoll mit goldenen Ornamenten besetzt ist.
Wer ist dieser gütig dreinblickende, ältere Herr? Aufschluss über seine Identität liefern uns verschiedene Anhaltspunkte. Auf seinem Haupt trägt er eine Kopfbedeckung, die Mitra genannt wird. Diese und der Stab in seiner rechten Hand weisen ihn als einen Bischof aus, also einen hohen geistlichen Würdenträger der katholischen Kirche. Und dann ist da noch das durchbohrte Buch in seiner linken Hand, das uns verrät, um wen es sich hier handelt: Es ist der Heilige Bonifatius.
Der Heilige Bonifatius lebte bereits im 8. Jahrhundert, also vor mehr als 1200 Jahren. Über sein Leben ist einiges bekannt: Er war Bischof in den Städten Mainz und Utrecht, Botschafter des Papstes und Missionar. Als Missionar gehörte es zu Bonifatius‘ Aufgaben, die Menschen von seiner Religion, dem Christentum, zu überzeugen. Dafür reiste er viel, sprach mit den dort lebenden Menschen und las ihnen aus der Bibel vor. Dies gefiel jedoch nicht allen und so kam es, dass Bonifatius auf seiner letzten Reise, die er mit 80 Jahren antrat, erschlagen wurde. Da sich die Menschen später erzählten, er habe ein Buch hochgehalten, um sich zu schützen, wird er häufig mit einem durchbohrten Buch gezeigt.
Die Erkenntnis, dass es sich bei der hier gezeigten Figur auch tatsächlich um den Heiligen Bonifatius handelt, wird unterstrichen durch die ihr beigegebene Reliquie. Sie befindet sich im hölzernen Kasten unterhalb des Heiligen. Weitere Reliquien entdecken wir im Anhänger, der Bonifatius um den Hals gelegt wurde.
So eine große und aus kostbaren Materialien hergestellte Figur, die von dem münsterschen Goldschmied Michael Büren II. geschaffen wurde, muss viel Geld gekostet haben. Umso mehr erstaunt es da, dass sie von einer einzigen Frau bezahlt wurde: Anna Catharina von Neheim von Sundermühlen, Stiftsdame in Freckenhorst. Dies berichtet uns die Inschrift auf dem Untergewand des Heiligen. Sie gibt darüber hinaus auch Auskunft über das Entstehungsjahr der Figur, das in versteckter Form als Chronogramm wiedergegeben wird: 1692.