Eines der herausragendsten Stücke der Stiftskammer ist die vor uns liegende Handschrift. Mehrere Merkmale machen sie so besonders. Da ist zunächst das Alter: Sie wurde vor mehr als 1000 Jahren geschrieben und ist damit älter als die heute noch bestehende Stiftskirche! Die Handschrift besteht zudem aus Pergament, einem Material, das aus der Haut von Tieren hergestellt wurde und sehr kostbar war.
Bei der Handschrift handelt es sich um ein Evangeliar. Das bedeutet, dass darin die von den vier Evangelisten verfassten Texte zum Leben Jesu Christi enthalten sind. Den Texten von Johannes und Lukas wurden besonders gestaltete Schmuckseiten mit Miniaturen vorangestellt, die die beiden an ihrem Schreibpult sitzend zeigen. Bei den beiden anderen Evangelisten wurde auf eine Miniatur verzichtet, jedoch ist der Anfangsbuchstabe des ersten Wortes besonders hervorgehoben.
Der Entstehungsort des Evangeliars und der Schreiber sind leider unbekannt. Dafür ist uns jedoch der Name der Stifterin dieses wertvollen Geschenks überliefert: Emma. Ihren Namen ließ sie in einem eigens angefertigten Widmungsgedicht verewigen. Sie finden ihn in den Anfangsbuchstaben der letzten vier Zeilen auf der unten gezeigten Abbildung. In dem Gedicht selbst ist festgehalten, dass Emma das Evangeliar in die Hände Christi übergibt und als treue Dienerin dem Heiligen Bonifatius widmet. Daraus lässt sich schließen, in welcher Beziehung Emma zum Freckenhorster Stift stand: Sie gehörte diesem an, womöglich als Kanonissin.
All dies und noch viel mehr können Sie im unten stehenden Link entdecken: Dort können Sie im Evangeliar blättern und noch viel tiefer in die spannende Welt der Buchkunst eintauchen! Sollten Sie sich in der Stiftskammer befinden, können Sie auch das nebenstehende Tablet nutzen.
Hier können Sie die gesamte Handschrift durchblättern:
Hier geht es zu einem Film aus der Sonderausstellung: