Antiphonale

Das vor Ihnen liegende Buch ist im Gegensatz zu der danebenliegenden Bibel von Hand geschrieben und gehört daher zu den sogenannten Handschriften. Ergänzend zu den Texten ist sie mit kleinen zarten Buchmalereien ausgestattet. Diese beziehen sich unmittelbar auf die neben ihnen stehenden Textpassagen. So befindet sich neben dem Gebet zum 03. Februar eine Miniatur des Heiligen Simeon, der das Christuskind auf dem Arm trägt. Trotz der nur geringen Größe und des Alters der Malerei, lassen sich die feinen Details in der Kleidung des Heiligen noch gut erkennen.

Ebenso wie das Graduale, das in einer anderen Vitrine in der Stiftskammer liegt, ist die hier gezeigte Handschrift mehr als 500 Jahre alt. Beide stammen aus derselben Buchmaler-Werkstatt: aus dem Haus der Fraterherren in Münster. Im Gegensatz zum Graduale wissen wir jedoch nicht, wer diese kostbare Handschrift dem Stift geschenkt hat.

Das vor Ihnen liegende Exemplar ist ein sogenanntes Antiphonar – auch als Antiphonale bezeichnet. Es enthält alle Melodien und Texte sowie Psalmen und Hymnen der Stundengebete. Damit ist das Antiphonar Teil einer Reihe von Handschriften, die uns noch heute von dem geregelten Ablauf in den Klöstern und Kirchen berichten. So gab es Bücher für die Lesungen (Lektionar), für die Texte der Evangelisten (Evangeliar), für die liturgischen Gesänge der Messfeier (Graduale) oder eben für die Wechselgesänge des Stundengebetes (Antiphonar). Einige davon können Sie noch heute in der Stiftskammer bewundern.

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