Ans Licht gehoben

Die hier neben den Vitrinen präsentierten steinernen Objekte lassen uns wie durch ein Fenster in die Vergangenheit blicken. Sie zeigen Teile des ursprünglichen Aussehens der Stiftskirche, die im Zuge von Veränderungen am Kirchenbau abgeschlagen worden sind. Solche Bauteile wurden jedoch nicht einfach entsorgt, denn dafür war das Material zu kostbar. Stattdessen wurden sie umgearbeitet und wieder eingesetzt oder, wie in unserem Fall, als Bauopfer in die Erde gelegt. Bei späteren Umbauarbeiten oder archäologischen Ausgrabungen werden sie dann wiederentdeckt.

Die ursprüngliche Funktion und Verwendung solcher Bauteile, wie wir sie hier vor uns sehen, lässt sich häufig nicht mehr eindeutig feststellen. Bei drei hier gezeigten Fragmenten ist es wahrscheinlich, dass sie zu dem Teil des Kreuzgangs gehörten, der heute nicht mehr vorhanden ist. Die beiden Wandvorlagen hatten eine rein dekorative Funktion und dienten dazu, große Wandflächen zu unterbrechen. Ihr Dekor mit Hundeköpfen und gewundenen Pflanzranken wird im Doppelkapitell wieder aufgegriffen.

Pflanzen- und Tierdekore sind ein besonderes Kennzeichen der romanischen Zeit. In Kirchen lässt sich dabei gut beobachten wie viele unterschiedliche Motive es gab. Dies wird auch bei unseren Objekten sichtbar: Das eine Kapitell zeigt dabei wieder das uns schon bekannte Motiv der Hundeköpfe und Pflanzranken. Das zweite hingegen greift nur das Rankenmotiv auf und wird ergänzt durch kleine menschliche Köpfe, die auf uns herabblicken. Dieser Formenreichtum setzt sich im Außenbereich der Kirche fort: Gehen Sie nach Ihrem Besuch in der Stiftskammer einmal nach draußen zum Kreuzgang und schauen sich dort die vielen, verschiedenen Kapitelle an. Sie werden staunen, wie einfallsreich die Steinmetze der romanischen Zeit waren!

Eine wichtige Funktion der mittelalterlichen Kreuzgänge war es, den Verstorbenen eine letzte Ruhestätte zu bieten. In vielen heute noch erhaltenen Kreuzgängen in Klöstern können Sie daher zahlreiche Grabplatten entdecken, die von den ehemaligen Mitgliedern berichten. Möglicherweise war das Fragment einer Grabplatte, das Sie hier sehen, Teil des Kreuzgangs der Stiftskirche. Die nur noch in Teilen erhaltene Inschrift nennt den Namen der Verstorbenen: Gertrud. Ob es sich dabei um die gleichnamige Äbtissin handelt, die von 1185 – 1207 im Stift lebte, bleibt leider ungewiss.

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