Bei den vier kleinen, nahezu unscheinbaren Objekten vor uns in der Vitrine handelt es sich um Stempel aus dem 18. Jahrhundert, die der Versiegelung von Schriftstücken und Urkunden dienen. Einer dieser Siegelstempel war laut seiner Umschrift ausdrücklich nur den Kanonikern, also den männlichen Geistlichen des Stiftes vorbehalten: SIGILLUM CANONICORUM IN FRECKENHORST.
Auf allen Siegelstempeln ist der Heilige Bonifatius abgebildet. Mal wird er in voller Körpergröße stehend und mit Abtsstab in der linken Hand gezeigt, mal nur als sogenanntes Halbfigurenbild, also bis zur Hälfte seines Oberkörpers. Dass auf allen Siegeln Bonifatius abgebildet ist, hat einen besonderen Grund: Der Heilige ist der Patron der Stiftskirche in Freckenhorst. Während das Patrozinium in unserer Region einmalig ist, wird Bonifatius an anderen Orten in Deutschland ebenso verehrt. Besonders hervorzuheben ist Fulda, denn im dortigen Dom befindet sich sein Grab.
Die Verehrung des Heiligen ist aber nicht die einzige Gemeinsamkeit der beiden Orte: Der Gründungslegende des Stifts entnehmen wir, dass der Gründer des Stiftes in Freckenhorst, Everword, in das Bonifatiuskloster in Fulda eintrat. Außerdem vermachte er ein Drittel seiner Ländereien dem Kloster in Fulda und zwei Drittel dem neu zu gründenden Stift in Freckenhorst.