Zu der umfangreichen Bibliothek des Freckenhorster Stiftes gehört auch die vor Ihnen liegende Sacra Biblia – die gantze heilige Schrift aus dem Jahr 1701. In ihrer ersten Auflage wurde sie 70 Jahre zuvor von Caspar Ulenberg herausgegeben, der ein bedeutender katholischer Theologe und Bibelübersetzer war. Zahlreiche kleine Kupferstiche sind kennzeichnend für die Erstauflage. Die Freckenhorster Version hingegen weist wenige, dafür ganzseitige Kupferstiche auf, die wichtige Propheten oder andere biblische Personen zeigen.
Gestochen wurden diese von Engelhard Nunzer, einem deutschen Kupferstecher, der insgesamt 25 ganzseitige Abbildungen für diese Ausgabe angefertigt hat. Die dargestellten Personen weisen die typische barocke Formensprache auf: kunstvoll gelockte Bärte und Haare sowie weite gebauschte Gewänder, die schon fast ein Eigenleben führen. Hinter ihnen, ebenfalls typisch für diese Zeit, erstrecken sich Landschafts- und/oder Architekturdarstellungen.
Die Bibliothek des Freckenhorster Stiftes wird heute im Depot der Stiftskirche verwahrt. Sie umfasst 340 Bände aus verschiedenen Jahrhunderten. Etwas mehr als 100 Bücher stammen aus der Zeit vor 1800.