Die zwei Messkännchen, die Sie nun vor sich sehen, gehören offensichtlich zu einem Set. Dies lässt sich an den identischen Ornamenten erkennen, die auf beiden Kännchen zu finden sind. Sowohl am Fuß als auch an der bauchigen Mitte tragen sie mit Rauten versehene Girlanden. In der Gefäßmitte werden die Girlanden durch einen Ring zu einer großen Schlaufe zusammengefasst. Dadurch entsteht eine Art Medaillon, das jedoch frei bleibt.
Das dahinterstehende Tablett scheint auf den ersten Blick zu den beiden Messkännchen zu gehören. Es fehlen bei genauerer Betrachtung jedoch die beiden Vertiefungen, in denen die Kännchen stehen würden, und die soeben betrachteten Girlanden. Das diese drei Objekte nicht ursprünglich zusammengehören bestätigt sich durch einen Blick auf die Meisterzeichen. Während die beiden Messkännchen vom Warendorfer Goldschmied Berndt Joseph Hartmann gearbeitet wurden, stammt das Tablett von Bartholomäus Kernitz.
Wie auch schon die vollständige Messpollengarnitur in der hierüber liegenden Ebene, dienten die Messkännchen der Gabe von Wein und Wasser während des Gottesdienstes. In ihrem Stil unterscheiden sie sich jedoch erheblich von den ca. 60 Jahre zuvor entstandenen Messkännchen der vollständigen Garnitur. Strenge geometrische Formen werden abgelöst durch bauchige Formen und verspielte Verzierungen.
Dass sich gleich zwei Sets von Messkännchen erhalten haben, die in ihrer Entstehung nicht weit auseinanderliegen, mag verschiedene Gründe haben. Einer könnte sein, dass es in Kirchen nicht nur einen Altar gab, an dem Gottesdienste gefeiert wurden. Aus der Freckenhorster Stiftskirche ist überliefert, dass mindestens acht Altäre über viele Jahrhunderte auch zeitgleich bestanden. Leider ist es bei den meisten Altargeräten nicht mehr möglich, sie dem Altar zuzuweisen, für den sie einst angefertigt wurden.