Zwei Kelche

Die beiden hier vor uns stehenden Kelche wurden um 1830 vom Warendorfer Goldschmied Ferdinand Aloysius Hartmann geschaffen. Sie weisen viele Gemeinsamkeiten auf: Der obere Teil, die sogenannte Kuppa, ist bei beiden Kelchen nur auf der unteren Hälfte mit Ornamenten versehen. Ebenso besitzen beide einen aufwändig gestalteten Knauf sowie einen mehrstufigen Fuß. Es gibt jedoch auch einige Unterschiede im Aussehen.

Der vordere Kelch zeigt die Verwendung einer geradlinigen Formensprache: Das umlaufende Rippenmotiv auf der Kuppa wird in ähnlicher Weise auf dem Knauf wiederverwendet. Am Fuß wird die vorhandene Symmetrie zwar fortgeführt, weicht jedoch pflanzlichen Ornamenten.

Der hintere Kelch ist in seiner Gestaltung ebenso symmetrisch angelegt, verzichtet aber auf die strengen geometrischen Formen. Stattdessen beobachten wir schon an der Kuppa und auch am Knauf Pflanzenranken und Blüten, die sich am Fuß fortsetzen.

Die symmetrische und strenge Anordnung der Ornamente ist typisch für die Zeit des sogenannten Klassizismus. Aufgeschreckt und zutiefst verunsichert durch die vorangegangenen, bewegten Jahrzehnte, sehnten sich die Menschen nach Ordnung und Stabilität. In der Kunst entdeckten sie dies in der strengen Formensprache zweier weit zurückreichender Epochen: Der griechischen und römischen Antike.

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