Votivampel

Auf Ihrer Augenhöhe sehen Sie vor sich ein großes, silbernes Objekt, das an einer langen Kette hängt. Trotz seiner Größe und dem bauchigen Umfang im oberen Bereich wirkt es filigran. Dies liegt an den durchbrochen gearbeiteten Ornamenten: Sie können an vielen Stellen in das Innere oder die innenliegende Schale des Objektes sehen. Die Pflanzenranken und geschwungenen Ornamente begegnen Ihnen auch an zahlreichen anderen Objekten in der Stiftskammer, da ein Großteil des Kirchenschatzes aus der barocken Zeit stammt.

Besonders auffällig ist das große Wappen, das im oberen Bereich des Silberstückes befestigt ist. Es gehört Christoph Bernhard von Galen, einem der bekanntesten Fürstbischöfe des Bistums Münster. Während er an anderen Orten im Münsterland ganze Kirchen oder Kapellen stiftete, erweiterte er im Stift Freckenhorst den Kirchenschatz. Sein wichtigstes Geschenk ist der silberne Schrein der Heiligen Thiatildis, der auch heute noch in der Stiftskirche steht. Er enthält die Reliquien der Heiligen, deren Umbettung in den Schrein von Galen persönlich veranlasste.

Schriftliche Quellen berichten, dass das Grab der ersten Äbtissin Freckenhorsts durch ein Tag und Nacht brennendes Licht besonders geehrt wurde. Bei der Umbettung der sterblichen Überreste in den Schrein, wollte von Galen diese Tradition ehren und ließ zusätzlich die Votivampel anfertigen. Somit diente die Ampel also der Verehrung und des Gedächtnisses der Heiligen Thiatildis.

Geschaffen wurden diese kostbaren Silberstücke von dem Düsseldorfer Goldschmiedemeister Heinrich Ernst. Im Gegensatz zu seiner Heimatstadt haben sich im Münsterland keine weiteren Werke des Goldschmieds erhalten. Der Thiatildisschrein, die Votivampel und die beiden Kerzenleuchter neben dem Perlmuttkreuz in der Vitrine links von Ihnen gelten als die letzten von ihm geschaffenen Stücke, denn der Goldschmied verstarb in ihrem Entstehungsjahr: 1669.

 

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