Königskopf

Nahezu auf Augenhöhe begegnen wir, etwas versteckt in einer Ecke der Stiftskammer hängend, einem steinernen Kopf. Ansätze eines Bartes und einer Krone sind trotz des schlechten Zustandes erkennbar. Die Krone lässt noch die klassische Form einer Bügelkrone erahnen, die aus einem Kopfreif und zwei sich auf dem Haupt kreuzenden Bügeln besteht. Unterfüttert waren diese Kronen mit einer Kappe – daher erkennen wir bei dem vor uns hängenden Kopf auch keine Haartracht.

Besonders interessant ist das Motiv des x-förmigen Blattmusters auf dem Reif auf der rechten Kopfseite: Dieses begegnet uns nicht nur hier in der Petrikapelle auf den herausgebrochenen Kapitellen der Stiftskirche, sondern auch am Taufstein in der Freckenhorster Bonifatiuskirche. Diese stilistische Übereinstimmung zum Taufstein lässt die Forscher vermuten, dass der Kopf nicht nur zur gleichen Zeit wie der Taufstein entstanden ist, nämlich um das Jahr 1129, sondern auch in derselben Werkstatt.

Entdeckt wurde dieser Kopf bei Restaurierungsarbeiten in der Stiftskirche im Jahr 1958. Er befand sich eingemauert in einen Anbau und wurde sorgfältig von Putz und Mörtel befreit. Die trotz des schlechten Zustandes noch sichtbare Krone ließ die Fachleute aufmerksam werden: Handelt es sich bei dem gefundenen Kopf um die Darstellung eines Königs?

Einer Vermutung aus dem Jahr 1960 folgend, handelt es sich hierbei um eine Darstellung Lothars III. von Supplinburg. Der König entstammte dem Volk der Sachsen und regierte zur Zeit des Neubaus der Stiftskirche. Der Münsteraner Bischof Egbert, der die Stiftskirche 1129 weihte, war den schriftlichen Quellen nach ebenfalls ein Sachse und wurde aufgrund seines Amtes häufiger von Lothar III. mit diplomatischen Missionen betraut.

Womöglich wollte Bischof Egbert also gemeinsam mit dem Stift Freckenhorst dessen Nähe zum kaiserlichen Hof auch in der Bauplastik der Kirche ausdrücken.

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