Nur noch wenige Objekte aus dem Kirchenschatz der Stiftskirche in Freckenhorst sind 500 Jahre alt oder älter. Dazu gehören die vor uns stehende Turmmonstranz in der Mitte und der Kelch zu ihrer rechten.
Die Monstranz ist gemäß ihrer Funktion als Schaugefäß und gemäß dem Geschmack ihrer Zeit ausgestaltet: Ihre Formen weisen viele architektonische Elemente der Spätgotik auf. Dazu gehören die zahlreichen Durchbrüche und Nischen ebenso wie das filigrane Strebewerk mitsamt den bekrönenden Fialen. Die Anlehnung an die Architektur der Zeit ist so detailgetreu, dass sogar kleine Wasserspeier gestaltet wurden. Wenn Sie genau hinsehen, entdecken Sie auf der Spitze der Monstranz außerdem einen Pelikan, der sich mit seinem Schnabl die Brust aufreißt. Damit ist er ein Symbol für Christus, der sein Blut und sein Leben für die Menschen gab.
Knapp 200 Jahre später erhielt diese Monstranz Ergänzungen, die nach dem Vorbild der Retabelmonstranz, die Sie hinter sich sehen, entstanden: kleine silberne Figuren des Bonifatius und der Thiatildis oberhalb des Glaszylinders sowie eine Marien- und eine Johannesfigur auf Höhe der Lunula.
Leider ist nicht überliefert, welcher Goldschmied die Turmmonstranz geschmiedet hat. Vergleiche mit ähnlichen Monstranzen lassen jedoch vermuten, dass sie in Köln hergestellt wurde. Wir wissen im Gegenzug jedoch heute noch, wer diese schöne Goldschmiedearbeit gestiftet hat: Die Freckenhorster Stiftsdame Margaretha von Laer ließ ihren Namen unterhalb des stehenden Bonifatius eingravieren und bleibt daher auf ewig untrennbar mit ihrer Stiftung verbunden.